
Geschrieben am Montag, 10. Januar 2022 von Theresa Nhật Lai
Dieses Foto aus den Dolomiten drückt sehr gut die Emotionen aus, als ich mich mit dem auseinander setzte, was in mir war, als das untenstehende Gedicht entstand.
Im November 2020, als ich mich am Tiefpunkt meines bisherigen Lebens befand und etwas verändern musste, nahm ich an einem neunmonatigen (Selbst-)Coaching-Programm teil, mit intensiver Selbstreflexion, Meditation, der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Betrachtung von Momenten, die die einschränkenden Überzeugungen und Verhaltensmuster formten, die mich seit meiner Kindheit verfolgten. Das Ziel? Ich wollte endlich das Gefühl haben, „angekommen“ zu sein, mich selbst zu kennen und in Frieden zu sein. Oder zumindest aus diesem dunklen Loch herauszukommen, in dem ich zu stecken schien.
Nach einem langen Tag beim Snowboarden saß ich in diesem Hotelzimmer in Engelberg und verdaute den intensiven Monat, wo ich tief in mich selbst schauen durfte und Schicht für Schicht aufgedeckt wurde... Ich verspürte den Drang alle meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben und den Moment zu beschreiben in dem ich mich befand.
Das Gedicht ist eine Zusammenfassung dessen, was die Kämpfe waren und was ich im ersten Monat dieses Programms gelernt habe. Wir sollten ausgehend von aktuellen, persönliche Herausforderungen nachdenken, um die zugrunde liegenden Überzeugungen zu identifizieren und zu der Zeit zurückzukehren, als sie entstanden sind, und sie in etwas Besseres zu verwandeln. Um zu heilen. Dazu gehörten Geduld und eine große Portion Ehrlichkeit und Mut, zurückzublicken, sowie Mitgefühl und Liebe für mein jüngeres, früheres Ich.
Das war etwa ein Jahr vor der Begegnung mit Jesus. Langsam kam ich mir selbst näher, langsam verband ich mich mit dem, wer ich war. Aber meine Wunden konnten erst wirklich heilen, als ich Gottes Liebe erleben durfte. Die Leere in meinem Herzen füllte sich nur mit Gott.

Dolomiten, Italien. 2020.
Der Widerstand erzeugt Leiden.
Nimm es an, dann kann es heilen.
Bündle die Kraft dich verletzlich zu zeigen.
Öffne dein Herz, statt es zu meiden.
Versinke ins Meer der Schmerzen,
Leg dich komplett hinein.
Erlebe und spüre:
Du bist, und bist doch nicht – allein.
Nimm das unangenehmste Gefühl,
Wo es dunkel ist und kühl.
Umarm alles, und alles was dran hängt.
Tauch wieder auf, entdecke das größte Geschenk.
Im Hier, im Jetzt,
Gibt es keine Furcht.
Mit einem tiefen Atem
Kommst du durch alles durch.

Geschrieben mit einem Kalligraphie-Pinselstift in einem Hotelzimmer in Engelberg, Sonntag, 6. Dezember 2020